33. Verhandlungstag (30.01.’17)

Trotz einer weiteren Einlassung im Ballstädt-Verfahren gibt es keine neuen Erkenntnisse zum Tatverlauf.

Zu Beginn der Verhandlung verlas RA Waldschmidt die Einlassung seines Mandanten Christian Herrmann. Demnach sei Herrmann am Vorabend des Überfalls auf die Kirmesgesellschaft in Ballstädt mit Anderen auf einer Geburtstagsfeier in Suhl und habe dort mehr Bier und Schnaps getrunken als es sonst bei ihm üblich sei. Irgendwann sei auf der Feier Unruhe aufgekommen und er habe sich denjenigen angeschlossen, die nach Ballstädt zum „Gelben Haus“ gefahren seien. Mit wem und in welchem Auto er gefahren sei, wisse er wegen des Alkohols nicht mehr.

Seine Erinnerungslücken beträfen nicht nur die Zeit des Überfalls selbst, er habe auch keine Erinnerung daran, wie er nach Hause gekommen sei. Seine Erinnerung setze erst wieder ein, als er am Sonntagnachmittag aufgewacht sei. Alles, was er über die Ereignisse in der Nacht wisse, beruhe auf Erzählungen des Mitangeklagten Marcus Rußwurm im Nachhinein. Deswegen, so Herrmann, sei es unwahrscheinlich, dass er in der Lage gewesen sei, jemand gezielt zu schlagen.

Sein Rechtsanwalt Waldschmidt beantragte ein Gutachten, das belegen soll, dass Hermann zur Tatzeit erheblich vermindert schuldfähig oder schuldunfähig gewesen sei.

Außerdem machte der Hauptangeklagte Thomas Wagner ergänzende Angaben zu seiner vorausgegangene Einlassung. Die Nebenklage kritisierte, die Einlassung sei kein Geständnis, weil er nur berichtet habe, was aus dem Hauptverfahren sowieso bekannt sei.

Anschließend befasste sich die Kammer mit mehreren Widersprüchen und Anträgen, die im Lauf des Prozesses eingelegt und gestellt wurden. Sie lehnte insgesamt vier Widersprüche und Anträge der Verteidiger ab, darunter befand sich auch ein Antrag, den Rechtsanwalt Andreas Junge im Auftrag seines Mandanten André Keller gestellt hatte. Demnach sollten die Berichte über einzelne Verhandlungstage auf diesem Blog in Augenschein genommen werden, weil dort Kellers Nachname nicht abgekürzt wurde. Die Kammer verwarf den Antrag.Am kommenden Verhandlungstag könnte die Einlassung des Angeklagten Rußwurm folgen, die er eigentlich für den 33. Verhandlungstag angekündigt hatte. Nach Herrmanns Einlassung aber bestehe jetzt Beratungsbedarf, erklärte sein Anwalt Wolfram Nahrath. Die Nebenklage kritisierte Rußwurms Verzögerungstaktik: der Angeklagte verschiebe bereits zum dritten Mal seine angekündigte Einlassung.

Das Verfahren wird am Mittwoch, den 01.02.2017 um 9.30 Uhr vor dem Landgericht Erfurt fortgesetzt.

Advertisements